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ÜPD-Forum | Letztes besetztes Haus
 Autor  Letztes besetztes Haus  
 Jazariel

 Beiträge: 5
 Registriert: 01.10.2009

Eingetragen am 20.01.2010 um 18:01

Das letzte besetzte Haus zu halten klingt nach einem schüchternen Wunsch, der grade gegenüber der harten Realität nicht Erfüllung finden kann, denn in diesem Haus fehlt es an allem was ein Scheitern vorprogrammiert.

Mal abgesehen von den finanziellen Mitteln, fehlt es vorallem an engagierten Mitstreitern die auch im besetzten Haus leben und für ein bestimmtes Programm oder Lebenseinstellung stehen. Darüber könnte man noch hinwegsehen, wenn die wenigen Menschen die dort noch sind etwas konstruktives machen würden. Die meisten dort weigern sich aber bestimmte "Arbeiten" zu verrichten die ihnen und anderen Menschen tatsächlich etwas Stolz verschaffen könnte.

Es ist dort ja schon ein Erfolg wenn Essen gemacht wird und das in Deutschland, mitten in einer Grostadt, daran sieht man wie chaotisch dort gedacht und gehandelt wird! Es fehlen überdies Kontakte in die Politik, zu den Parteien, in die Bildung, zu den Studenten und Schülern, es fehlen eigentlich zu allen Bevölkerungsschichten Kontakte und wenn es Kontakt gibt, dann meistens eher negativ, wenn nämlich die Polizei mal wieder von den eigenen Bewohnern bzw. Besuchern oder umliegenden Anwohnern gerufen wird. Es mangelt an der Kommunikation nach innen wie nach außen und wenn grundlegende Regeln des menschlichen Zusammenlebens nicht real umgesetzt werden, dann ist völlig klar dass das Projekt keine Kraft hat irgendetwas in diesem Land zu bewegen.

Nachdem das Projekt seit Start immer mehr stagnierte und Rückschritte gemacht hat, steht es seit 2009 mit dem Rücken zur Wand und ist völlig bewegungsunfähig. Die Brunnenstraße hat es ja ähnlich nicht begriffen und entsprechend abgebaut, sie hat ähnliche Fehler gemacht, war aber immerhin etwas engagierter. Ich weiß nicht wieso sich die Leute damit abgefunden haben, warum sie sich lieber fallen lassen, mit grenzenlosen Drogenkonsum, hirnlosen Partys, Geld vom bösen Staat, dumpfen Gewaltexzessen, Nonsense jeder Art, als für die eigenen und die Rechte anderer aufzustehen und zu kämpfen. Kampf bedeutet tägliches lernen, verstehen und kommunizieren aller Verhältnisse, Probleme, Lösungen mit allen möglichen Menschen. Das schafft man nicht wenn man ausschläft, das Gehirn benebelt und mitten in Deutschland im Exil lebt.

Ich war sowas von motiviert in Berlin, dachte ich hätte endlich einen Platz gefunden in dem ich die nächsten Jahre etwas aufbauen könnte, doch nach läppischen 3 Monaten war ich nur noch wütend über diesen ganzen Scheiß der dort alltäglich ist! Ich konnte nicht ein einziges Problem dort lösen, ich konnte nicht einmal mit den meisten Leuten die Probleme besprechen, weil sie sich strickt weigerten es anzuerkennen. Und solange in diesem Haus nur ein einziger, oder ab und zu mal 3-4 Leute, wirklich etwas machen, kann man nicht von einer Universität sprechen! Das ist einfach nur eine Insel für pseudo-alternative stink-faule Menschen, die eigentlich nichts anderes sind, als mindestens so bewusstlose und naive Menschen wie in üblichen Bevölkerungsschichten, den sogenannten Spießern etc.

Lange Rede kurzer Sinn, dieses Projekt ist längst tot und die Polizei wird keine 30 Minuten brauchen um dieses Projekt vom HU-Gelände zu fegen. Schuld tragen alle Bewohner, Besucher, etc. auch ich, sie hatten alle ihre Chance, aber aufgrund ihrer Fähigkeiten haben sie sich einfach als unfähig erwiesen die Widrigkeiten zu bezwingen.
 Autor  wolles sagt auch was dazu  
 wolles

 Beiträge: 1
 Registriert: 18.02.2010

Eingetragen am 18.02.2010 um 01:40

also ich habe selber in der OUB´s 1 jahr aktiv verbracht was ja auch alle wissen....aber ich bin gerne dabei und sofort meinet wegen diesen haus auf blut und schmerzhaftbedingter situationen gegenüber dem staat bzw. der humboldt zu verteidigen!!!!
mfg wolles grüßt alle durchhaltenden der oubs....es war toll mit euch.....have fun ^^^
ps: zeiht nie nach bremen hier is alles scheiße komm bald zurück lol echt alles assi hia im norden
 Autor  Re: Letztes besetztes Haus  
 3eni

 Beiträge: 28
 Registriert: 31.07.2007

Eingetragen am 08.04.2010 um 21:20

Wie steht es an einer wand in der oubs: die hausprojekte berlins - waehren sie nicht gescheitert, gaebe es sie nicht mehr
 Autor  Re: Letztes besetztes Haus  
 Jazariel

 Beiträge: 5
 Registriert: 01.10.2009

Eingetragen am 15.04.2010 um 23:13

Angesichts der politischen und wirtschaftlichen Situation, macht vorallem eine Vorbereitung für neue Verhältnisse, also eine Revolution, Sinn, die vorallem durch Projekte wie die Offene Uni wahrgenommen werden können. Damit es fairere, gerechtere und freiere Menschen und damit eine eben solche Gesellschaft geben kann, ist es zunächst einmal eine absolute Notwendigkeit, dass diese Menschen bei sich selbst und den kleinsten alltäglichen Dingen anfangen. Wie genau, darüber gibt es keine Regeln.

Die enorme Bewusstlosigkeit der Individuen und der Massen in dieser Gellschaft trägt die Ungerechtigkeit, Ausbeutung und Zerstörung Tag für Tag in neue Höhen und das was mich an der Offenen Uni letztlich so ungeduldig gemacht hat, war die hohe Konzentration eben dieser Bewusstlosigkeit. Ich konnte nicht damit umgehen, dass so gut wie alle Beteiligten dieses Projekts quasi keinerlei konstruktive Kommunikation untereinander unterhielten oder unterhalten wollten. Mir schlug jedes Mal eine regelrechte Wand von Desinteresse entgegen, die ich aufgrund von eigener Bewusstlosigkeit nicht durchbrechen konnte.

Wir haben enorm komplexe Probleme in unserer Gesellschaft, egal wo man hinsieht, ob es um die Wirtschaft oder die Politik geht, ob es um Hartz IV oder Rassismus geht, es liegen gigantische Herausforderungen vor uns. Und statt diese langsam anzugehen, um eine grundlegende Revolution überhaupt erstmal vorbereiten zu können, wurde dies von nahezu allen Beteiligten zu keiner Zeit wahrgenommen oder gar diskutiert. Wenn es zu Diskussionen z.b. über die Probleme des Projektes kam, verzettelte man sich schnell und es veränderte sich nicht viel zum Positiven oder konnte nur kurze Zeit aufrechterhalten werden. Ihr kennt die Probleme sicher alle selbst.

Viele Beteiligte hatten ihre vergangenen Erlebnisse, die sie traumatisierten, nicht überwunden, sind nicht mit neuer Kraft daraus erwachsen und sind entweder auf der Flucht vor der Vergangenheit oder nicht sie selbst. Wie könnte man ihnen helfen? Hilft man ihnen, hilft man Projekten wie der Offenen Uni. Hilft man der Offenen Uni, hilft man die Bewusstlosigkeit der Massen aufzuheben und dadurch verhilft man Deutschland zu seiner ersten richtigen Revolution.

Aber all das braucht Jahre, Erfahrung und Wissen. Wer von uns hat denn die Möglichkeiten soetwas zu praktisch leben ohne die Garantie, dass es wirklich "Erfolge" bringt? Ich glaube das es doppelt schwer ist, Revolution in einer Situation der Isolation zu machen oder vorzubereiten. Und die Offene Uni ist definitiv isoliert, obwohl sie im Herzen Berlins existiert. Sie existiert wie ein Häftling im Knast und hat längst nicht die nötige Kraft gefunden auszubrechen.

Ich wußte nicht wie man ihr neues Leben einhauchen konnte, dafür war ich zu neu im alternativen Leben, zu neu in Berlin allgemein. Und ich hatte mich zu überstürzt in diese Probleme und Konflikte eingebracht, wollte meine Überforderung nicht akzeptieren und ging mindestens genauso überstürzt wieder hinaus in die sogenannte heile Welt, die für mich längst keine mehr war. Für mich geht der Kampf weiter, weil er schon einen sehr alten persönlichen Anfang hat. Er findet in den Reihen der braven bürgerlichen Mitmenschen statt und nicht in besetzten Häusern die vom kapitalistischen Staat an die Wand gedrückt werden.

Ich bin dankbar für die Erfahrungen die ich in der Offenen Uni machen konnte. Trotz der wenigen positiven Ereignisse konnte ich dennoch lernen, dass ich mich viel mehr anstrengen muss, viel mehr kommunizieren muss und mich nicht ablenken darf, weil das sonst noch mehr Chaos und Schmerz bei meinen Mitmenschen produzieren wird. Wir sind alle definitiv dazu in der Lage eine Welt ohne Zwangsarbeit, Marionettenpolitik und Kapitalanhäufung zu gestalten.
 
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